Traversen für unterschiedliche Lasten
Traversen sind Lastaufnahmemittel, mit denen Lasten an mehreren Punkten aufgenommen und angehoben werden können. Sie kommen insbesondere dann zum Einsatz, wenn die Geometrie oder die Schwerpunktlage einer Last eine definierte Anordnung der Anschlagmittel erfordert.
Je nach Aufgabe stehen unterschiedliche Bauformen zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise Verstelltraversen, Rahmentraversen, Rohrtraversen und Ausgleichstraversen. Welche Ausführung geeignet ist, hängt unter anderem vom Gewicht und den Abmessungen der Last, von der Lage des Lastschwerpunkts sowie von der Position und Ausführung der Anschlagpunkte ab.
Bei langen Lasten können Traversen die Anschlagpunkte so miteinander verbinden, dass die Anschlagmittel mit geringeren Neigungswinkeln belastet werden. Dadurch lässt sich die erforderliche Hubhöhe reduzieren. Je nach Ausführung kann die Last mit weitgehend senkrechten Anschlagmitteln aufgenommen werden.
Für die Auswahl und Auslegung einer Traverse müssen neben der Last auch die Bedingungen am Einsatzort betrachtet werden. Dazu gehören beispielsweise die verfügbare Hubhöhe, die Tragfähigkeit des Krans, die vorhandenen Anschlagpunkte und die vorgesehene Art der Lastbewegung.
Lastschwerpunkt und Anschlagpunkte
Die Lage des Lastschwerpunkts ist ein wesentlicher Faktor bei der Auslegung einer Traverse. Zusammen mit der Position der Anschlagpunkte bestimmt sie, wie sich die Last beim Anheben ausrichtet.
Bei einer frei hängenden Last mit einem einzelnen Aufhängepunkt verläuft die Wirkungslinie der Gewichtskraft durch den Aufhängepunkt. Der Lastschwerpunkt befindet sich dabei lotrecht unter dem Kranhaken.
Bei einer Traverse mit mittiger Aufhängung muss die Schwerpunktlage der vorgesehenen Last entsprechend berücksichtigt werden. Liegt der Schwerpunkt außerhalb der Mitte, kann sich die Traverse beim Anheben neigen. Je nach Konstruktion können in diesem Fall beispielsweise eine außermittige Aufhängung oder verstellbare Anschlagpunkte erforderlich sein.
Auch die Höhe und Anordnung der Anschlagpunkte an der Last beeinflussen deren Verhalten beim Heben. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Lastschwerpunkt, Anschlagpunkten und der Geometrie der Traverse. Insbesondere bei Lasten mit hoch liegendem Schwerpunkt muss die Stabilität des gesamten Systems betrachtet werden.
Die Anschlagpunkte sollten deshalb bereits bei der Konstruktion einer Maschine oder Anlage berücksichtigt werden. Ihre Position kann die spätere Auswahl und Ausführung der Traverse wesentlich beeinflussen.
Auslegung nach Einsatzbedingungen
Neben der Tragfähigkeit ist die vorgesehene Nutzung der Traverse für ihre Auslegung relevant. Dazu gehören insbesondere die Anzahl der Lastwechsel und die zu erwartende Lebensdauer.
Für Traversen ist die Norm EN 13155 maßgeblich. Die aktuelle deutsche Ausgabe ist DIN EN 13155:2026-09. Für mechanisch tragende Teile werden darin entsprechende Nachweise bis zu 16.000 Lastwechseln behandelt. Bei einer Auslegung für eine höhere Anzahl von Lastwechseln sind weitergehende Berechnungsgrundlagen unter Einbeziehung der EN 13001-1 zu berücksichtigen.
Die tägliche Einsatzhäufigkeit allein ist dabei kein ausreichendes Kriterium. Entscheidend ist die insgesamt vorgesehene Anzahl der Lastwechsel und die Belastung, der die Traverse während ihrer Einsatzdauer ausgesetzt ist.
Bei der Auslegung werden außerdem die dynamischen Einwirkungen aus dem vorgesehenen Betrieb berücksichtigt. Dazu gehören unter anderem das Lastkollektiv und die Bewegungen des Krans.
Für Traversen, die bestimmungsgemäß horizontal eingesetzt werden, muss außerdem eine Neigung von bis zu sechs Grad gegenüber der Horizontalen konstruktiv berücksichtigt werden.
Für die technische Auslegung müssen daher mehrere Faktoren zusammen betrachtet werden: die Tragfähigkeit der Traverse, die Schwerpunktlage der Last, die Position der Anschlagpunkte, die Geometrie der Last, die Kranbedingungen und die vorgesehene Nutzung.
Individuelle Anforderungen an Traversen
Standardisierte Lasten mit bekannten Abmessungen und einer definierten Schwerpunktlage können häufig mit entsprechend ausgelegten Standardtraversen bewegt werden. Bei großen Abmessungen, wechselnden Lasten oder komplexen Schwerpunktlagen sind dagegen individuelle Lösungen erforderlich.
Bei PFEIFER werden Traversen entsprechend der jeweiligen Last und den vorgesehenen Einsatzbedingungen ausgelegt. Dabei werden unter anderem Lastgewicht, Abmessungen, Schwerpunktlage, Anschlagpunkte, Hubhöhe und Kranparameter berücksichtigt.
Das Spektrum reicht von einfachen Traversen bis zu Konstruktionen für Lasten mit mehreren hundert Tonnen. Bei besonders langen, breiten oder hohen Lasten müssen zusätzlich die geometrischen Bedingungen und die Handhabung beim Anschlagen und Transportieren berücksichtigt werden.
Die technische Auslegung einer Traverse beginnt deshalb nicht allein mit der Frage nach der erforderlichen Tragfähigkeit. Entscheidend ist die Betrachtung des gesamten Systems aus Last, Anschlagmitteln, Traverse und Kran. Nur wenn diese Komponenten aufeinander abgestimmt sind, lässt sich die Last sicher und kontrolliert bewegen.
