Eigenkonstruktionen - ein spannendes Thema!

Individuelle Lastaufnahmemittel sind in vielen Betrieben unverzichtbar. Wir prüfen und bewerten auch selbst gefertigte oder umgebaute Lastaufnahmemittel und schaffen damit die Grundlage für einen sicheren und nachvollziehbaren Einsatz. Von der technischen Berechnung über die Prüfung bis zur vollständigen Dokumentation begleiten wir Sie bei der fachgerechten Bewertung Ihrer individuellen Lösung.

Haben Sie Lastaufnahmemittel aus Eigenbau ohne Prüfung und Dokumentation?

 

Im industriellen Alltag entstehen immer wieder spezielle Transportsituationen, für die am Markt kein passendes Lastaufnahmemittel verfügbar ist oder eine individuelle Lösung wirtschaftlich sinnvoller ist. In solchen Fällen werden Lastaufnahmemittel selbst konstruiert, gefertigt oder bestehende Geräte durch Um oder Anbauten an die jeweilige Anwendung angepasst.

Solche individuellen Lösungen können technisch sinnvoll und sicher ausgeführt sein. Voraussetzung für einen sicheren Einsatz ist jedoch, dass Konstruktion, Tragfähigkeit und sicherheitsrelevante Funktionen fachgerecht beurteilt und die erforderlichen Prüfungen und Nachweise durchgeführt werden.

 

Eigenkonstruktionen können besondere Risiken bergen

Bei wiederkehrenden Prüfungen zeigt sich immer wieder, dass sich in Betrieben individuelle Eigenkonstruktionen befinden, für die keine vollständige technische Dokumentation oder kein belastbarer Nachweis über die Tragfähigkeit vorhanden ist.

Gerade bei selbst gefertigten oder nachträglich veränderten Lastaufnahmemitteln stellen sich wichtige Fragen:

• Ist die Konstruktion für die vorgesehene Last ausreichend dimensioniert?
• Sind Werkstoffe und deren Eigenschaften nachgewiesen?
• Sind Schweißverbindungen und andere tragende Verbindungen fachgerecht ausgeführt?
• Ist die zulässige Tragfähigkeit eindeutig angegeben?
• Sind Lastaufnahmepunkte für die vorgesehenen Belastungen geeignet?
• Wurden mögliche Fehlbedienungen und ungünstige Belastungszustände berücksichtigt?
• Liegt eine nachvollziehbare technische Dokumentation vor?

Fehlende Nachweise erschweren die Beurteilung des Gerätes und können dazu führen, dass ein Lastaufnahmemittel nicht ohne Weiteres für den vorgesehenen Einsatz freigegeben werden kann.

 

Technische Bewertung statt Ersatz durch ein neues Gerät

Eine Eigenkonstruktion muss nicht automatisch unsicher sein. Entscheidend ist, ob sie für den vorgesehenen Einsatz technisch geeignet ist und die erforderlichen sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt.

Bei einer fachgerechten Prüfung können vorhandene Unterlagen, Werkstoffe, Konstruktion und Ausführung bewertet werden. Fehlen Unterlagen, können je nach Ausgangslage technische Berechnungen und weitere Prüfungen erforderlich sein.

Für Lastaufnahmemittel ist dabei insbesondere die DIN EN 13155 relevant. Sie behandelt lose Lastaufnahmemittel für Krane und enthält Anforderungen an deren Konstruktion und sicherheitstechnische Auslegung. Welche Anforderungen im konkreten Fall anzuwenden sind, hängt vom jeweiligen Lastaufnahmemittel und seiner bestimmungsgemäßen Verwendung ab.

 

Was bedeutet die neue Maschinenverordnung für Eigenbauten?

Mit der Verordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen kommt ab dem 20. Januar 2027 ein neues europäisches Regelwerk zur Anwendung. Sie ersetzt die bisherige Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

Für Eigenkonstruktionen ist dabei eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Nicht jeder selbst gefertigte Gegenstand ist automatisch eine Maschine im Sinne der Maschinenverordnung. Entscheidend ist unter anderem, ob das Produkt in den Anwendungsbereich der Verordnung fällt und unter welchen Bedingungen es hergestellt und verwendet wird.

Bei einem Eigenbau für die eigene betriebliche Verwendung kann deshalb nicht allein aufgrund der Bezeichnung „Eigenbau“ entschieden werden, welche Anforderungen gelten. Es muss im Einzelfall geprüft werden, ob und welche Pflichten aus der Maschinenverordnung entstehen.

Besonders relevant wird die Betrachtung bei Maschinen oder Produkten, die erstmalig in Betrieb genommen, wesentlich verändert oder außerhalb des eigenen Betriebs bereitgestellt werden. Dann können unter anderem Anforderungen an die technische Dokumentation, die Konformitätsbewertung und die CE Kennzeichnung relevant werden.

Für ein klassisches Lastaufnahmemittel bleibt daneben die Betrachtung der einschlägigen Anforderungen an Lastaufnahmemittel und die sichere Verwendung als Arbeitsmittel entscheidend. Eine technische Prüfung und ein Tragfähigkeitsnachweis ersetzen dabei nicht automatisch eine gegebenenfalls erforderliche Konformitätsbewertung.

 

Berechnung, Prüfung und Dokumentation

Bei Eigenkonstruktionen mit vorhandenen Materialnachweisen können die technischen Informationen in die Bewertung einbezogen werden. Fehlen Unterlagen vollständig oder teilweise, muss zunächst geprüft werden, welche Informationen für eine belastbare technische Beurteilung noch ermittelt oder nachgewiesen werden können.

Je nach Ausführung können dabei unter anderem folgende Punkte betrachtet werden:

• Statische Berechnung und Tragfähigkeitsnachweis
• Werkstoffnachweise und Materialeigenschaften
• Prüfung der tragenden Konstruktion
• Beurteilung von Schweißverbindungen und anderen Verbindungen
• Prüfung der Lastaufnahmepunkte
• Kontrolle sicherheitsrelevanter Bauteile und Funktionen
• Kennzeichnung der zulässigen Tragfähigkeit
• Dokumentation der durchgeführten Prüfungen

Bei geeigneten Lastaufnahmemitteln kann anschließend eine nachvollziehbare technische Dokumentation erstellt werden. Dazu können abhängig vom konkreten Prüf und Abnahmeumfang beispielsweise Prüfprotokolle, technische Berechnungen, Materialnachweise und eine eindeutige Kennzeichnung gehören.

 

Prüfungen müssen zum Lastaufnahmemittel passen

Bei der Prüfung darf nicht allein die rechnerische Tragfähigkeit betrachtet werden. Entscheidend ist die Gesamtheit aus Konstruktion, Material, Fertigungsqualität, bestimmungsgemäßer Verwendung und sicherheitstechnischer Ausführung.

Auch Prüfungen unter Last müssen entsprechend dem jeweiligen Prüfkonzept und den anzuwendenden technischen Anforderungen festgelegt werden. Eine pauschale Angabe einer bestimmten Anzahl von Lastspielen ist daher nicht für jedes Lastaufnahmemittel gleichermaßen zutreffend.

Insbesondere die häufig genannte Zahl von 20.000 Lastspielen sollte deshalb nicht pauschal als allgemeine Prüfanforderung der DIN EN 13155 dargestellt werden.

 

Nachvollziehbare Dokumentation schafft Sicherheit

Eine vollständige Dokumentation ist ein wichtiger Bestandteil einer fachgerechten technischen Bewertung. Sie ermöglicht es, Konstruktion, Tragfähigkeit und durchgeführte Prüfungen auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehen zu können.

Zum Umfang können abhängig vom Einzelfall gehören:

• Technische Berechnungen
• Prüfberichte und Prüfprotokolle
• Materialnachweise
• Angaben zur zulässigen Tragfähigkeit
• Dokumentation der durchgeführten Prüfungen
• Kennzeichnung des Lastaufnahmemittels
• Angaben zu bestimmungsgemäßer Verwendung und Einsatzgrenzen

Eine Prüfbescheinigung nach DIN EN 10204 ist dabei nicht automatisch mit einem Sicherheitsnachweis oder einer Konformitätsbewertung gleichzusetzen. Welche Dokumente erforderlich und sinnvoll sind, hängt vom konkreten Lastaufnahmemittel und vom jeweiligen Anwendungsfall ab.

 

Sicherheit für individuelle Lösungen

Eigengefertigte Lastaufnahmemittel müssen nicht grundsätzlich durch Standardprodukte ersetzt werden. Wenn eine individuelle Konstruktion technisch geeignet ist, kann eine fachgerechte Bewertung dazu beitragen, ihre sichere Verwendung nachvollziehbar zu dokumentieren.

Entscheidend sind eine belastbare technische Auslegung, die Prüfung der tatsächlichen Ausführung und eine vollständige Dokumentation der relevanten Nachweise.

So lassen sich auch individuelle Lösungen für besondere Transportsituationen professionell beurteilen und sicher in den betrieblichen Ablauf integrieren.